Abstecher in den Westen: Wien. Oder: Urlaub? IX
Innerhalb der ersten 36 Stunden in Tatabanya haben wir herausgefunden, dass Bahnfahren und Städtetouren echt Spaß machen können. Nach einem kurzen Blick auf die Landkarte war das nächste Ziel für uns klar: Wien! Ländergrenzen überqueren ist ja hip, vor allen unter wetteifernden Geocachern, von denen wir auch welche dabei hatten. Also, gleiche Prozedur wie am Tag zuvor: Frühstücksbuffet genießen, anschließend zum Bahnhof, irgendwie den netten Menschen hinter dem Ticketschalter verständlich machen, dass man kostengünstig nach Wien will (Warum Sisi in Tatbanya keine mehrsprachigen Automaten hingestellt hat, ist mir ein Rätsel..), und auf den Zug warten.
Auf dem Weg nach Österreich muss man umsteigen (wenn ich mir korrekt errrinere), undso landeten wir in einem recht modernen Zug der Österreichischen Bundesbahnen, in dem unser GPS-Tracker prompt abgeschaltet hat. Die ÖBB hat nämlich beschichtetes Glas, dadurch werden Satelliten unsichtbar, und Mikrowellen nutzlos. Immer diese modernen Technologien! Über solche Technologien - WLAN hauptsächlich - sowie das lokale Klima und dem auffallenden Mangel an Bergen inmitten Österreichs, haben wir uns mit einem netten Herrn, der Mitglied der IEEE ist unterhalten.
Genug der unwichtigen Details, wir waren in Wien am Hauptbahnhof. Zugfahren ist ja recht anstrengend, und direkt vor dem Bahnhofsgebäude hat uns eine nette Wiese dazu eingeladen das Käse-Wurst-Prozedere aus Budapest zu wiederholen. Die Wiese hatte aber glücklicherweise mehr als einen Baum, und eine schwache Briese hat uns diesmal ermöglicht, das zweite Frühstück im wahrsten Sinne des Wortes zu genießen.

Wie immer, aufgenommen mit der D80 von © Sebastian Sehr
Aber wir waren ja in Wien, um uns anzuschauen, was Wien so zu bieten hat, also pilgerten wir zur Inneren Stadt . So nennen die Wiener ihr Stadtzentrum. Wer daran interessiert ist, was Wien so zu bieten hat, darf gerne Wikipedia aufsuchen. Auch wenn nicht als Quelle für akademische Texte zu verwenden, um sich selbst zu informieren ist der Überblick über die Bauten ja schon ganz hübsch.
Wir haben abgehakt, was Touristen so in einem Tag abhaken müssen. Theater, Museen und natürlich die kaiserlichen Höfe - alles hauptsächlich von außen - wurden von unseren Kameras und Hirnen abgespeichert. Die Spanische Hofreitschule hat es zwei oder dreien in unserer Gruppe besonders angetan, zum Glück war alles geschlossen, und die nächste Toröffnung würde nicht stattfinden, bis unser Zug wieder Richtung Osten fährt - mehr dazu später. Hihi.
In einer Saftbar außerhalb einer Kirche gab es zwischendrinn noch einmal eine Pause. Und das war wirklich eine Saftbar, der Orangensaft war nicht schlecht, ober hoffnungslos überteuert. Wenigstens gab es gratis Eiswürfel..

Danke für's festhalten, © Sebastian Sehr
Anders als Budapest sind wir am Ende wieder am gleichen Bahnhof gelandet, an dem wir angekommen sind, und da wurde jeder mit drei Euro auf die Suche nach einem Abendessen gemacht. Ich hatte zum Glück etwas eigenes Geld dabei, und so habe ich mit ein Wiener Schnitz’l gegönnt. In Wien. Ohja, das war mein persönliches Highlight des Tages, falls nicht sogar des gesamten Sommers!
Aber es sollte nicht das einzige Highlight des Tages bleiben: Die Rückfahrt, beziehungsweise mein Ankommen, und das zeitversetzte Ankommen der Anderen war das nächste.
Die tollen ungarischen Züge sind nämlich hin und wieder ein bisschen störrisch mit den Türen. Als wir also in Tatabanya ankamen, gingen die Türen nicht auf. Irgendwer hatte die Idee, die Tür des nächsten Wagons auszuprobieren, also bin ich zum nächsten Wagon gesprintet, und - oh Wunder - die Tür ging auf. Kaum hatte ich den Zug aber verlassen, ging die Tür auch schon wieder zu, und der Zug setzte sich in Bewegung. Richtung Budapest. Ohne Zwischenhalte. Und alle anderen haben den Sprung aus der Tür nicht geschafft. Aber sie haben mir gewunken, dass war ja ganz nett.
Es war inzwischen ziemlich dunkel, und recht spät, aber was blieb mir anderes übrig, als zurück zum Hotel zu gehen. Telefon hatte ich ja keins dabei.. Also, mitten in der Nacht alleine durch die ungarische Einöde zu stapfen - die Polizeistreife hatte wieder Spaß am Ausschau halten, ihre Aufmerksamkeit wurde aber voll und ganz von einem Nachtclub unweit unserer Stammtankstelle in Anspruch genommen.
Im Hotel angekommen habe ich dann irgendwo einen Computer gefunden, der wohl dazu da war, von Gästen in Anspruch genommen zu werden, und ihnen einen Anschluss ans Internet zu bieten. Allerdings war eben jener Computer nicht eingeschaltet. Also ich zum Nachportier, und dem netten Herrn klargemacht (ich glaube, der verstand ein paar Brocken Deutsch), was ich wollte. Der musste aber dann erstmal den leitenden Hotelmanager wachklingeln, aber zwanzig Minuten später hatte ich den Schlüssel zum Computerschrank in der Hand. Der Rechner - etwas jünger als Sisi, aber nicht viel jünger als ich - hatte tatsächlich Internet, und für ungarische Standards wahrscheinlich auch ziemlich flottes. Ich hab dann über facebook jemanden in Mettmann dazu gebracht, eine SMS in den Zug zu schicken, dass es mir gut geht. Die waren vielleicht überrascht, dass ich noch am Leben war da jetzt Deutschland Kontakt aufnimmt. Nett, wie ich bin, habe ich denen auch noch eine eMail mit Zugverbindungen von Budapest zurück nach Tatabanya geschickt.
Die nächsten zwei Stunden habe ich dann meine RSS-Feeds durchgearbeitet (ja, damals gab es Google Reader noch!), bis dann endlich alle wieder zurück waren.
Wie wir es dann am nächsten Tag nach Deutschland geschafft haben, und was mit dem VW-Bus passiert ist, kommt im nächsten Post!